Vibriose in der Aquakultur

Was ist das Problem?

Plötzliche Ausbrüche von Erkrankungen mikrobiellen Ursprungs, stellen weltweit die Aquakultur vor große Herausforderungen, da die mit ihnen einhergehende erhöhte Mortalität und reduzierte Leistung der Tiere zu großen wirtschaftlichen Schäden führt.
Eine der folgenschwersten infektiösen Erkrankungen in Aquakulturen stellt die Vibriose dar. Diese bakterielle Erkrankung wird durch verschiedene Spezies der Gattung Vibrio verursacht. .
Zu den bedeutsamsten Vibrio ssp gehören Listonella anguillarum (früher Vibrio anguillarum), V. splendidus, V. ordalii, V. harveyi, V. vulnificus, V. parahaemolyticus, V.alginolyticus, V. salmonicida, V. campbelli , V. fischeri, V. damsella, V. pelagicus, V. orientalis, V. ordalii, V. mediterrani und V. logei.
Dabei stellen diese Erreger nicht nur eine Gefahr für Tiere in Aquakulturen dar, auch für die menschliche Gesundheit können sie zu einer ernsten Bedrohung werden, wenn sie sich im Fleisch der Tiere ansammeln.
Antibiotikabehandlungen zur Reduzierung der negativen Auswirkungen der Vibriose können jedoch zu unerwünschten Nebenwirkungen bei den Tieren führen. Des Weiteren wurde berichtet, dass einige pathogene Vibrio-Stämme gegenüber verschiedenen Antibiotika resistent sind. Und nicht zuletzt reagieren Verbraucher zunehmend skeptisch auf die medikamentöse Behandlung von erkrankten Tieren, wodurch das Image der Aquakultur deutlichen Schaden erleidet. Dies führt in der modernen Aquakultur zu einem steigenden Bedarf für neue wirksame Prophylaxemöglichkeiten, um die Nutzung von Antibiotika mit ihren unerwünschten Nebenwirkungen zu reduzieren.

Charakteristika einer Vibriose

Vibrio-assoziierte Infektionen treten häufig in Aufzuchtstationen auf, können aber Fische und Krebstiere in allen Lebensstadien betreffen. Vibrio spp. sind gram-negative ubiquitäre Bakterien. Sie sind im Umgebungswasser präsent, gehören aber auch zur natürlichen Mikroflora von gesunden Tieren und werden zu opportunistischen Pathogenen, wenn die natürlichen Verteidigungsmechanismen unterdrückt werden. Stressfaktoren, wie z.B. schlechte Wasserqualität, eine ungeeignete Futterzusammensetzung, Überbesetzung, Präsenz von anderen Mikro- oder Makroorganismen und abrupte Temperaturänderungen sind die wichtigsten Faktoren, die eine Immunsuppression und letztendlich Vibriose-Ausbrüche zur Folge haben können.
Zwar stellt eine Infektion über Verletzungen der äußeren Körperoberfläche den Hauptinfektionsweg der Vibriose dar, aber auch die Kiemen und der Gastrointestinaltrakt können einen Infektionsweg darstellen. Hinzu kommt, dass
die Integrität der physischen (Haut der Fische und Ektoskelett der Krebstiere) und chemischen (Hautschleim der Fische) Barrieren der Körperoberfläche unmittelbar durch die Darmgesundheit beeinflusst wird, weshalb ein gesunder Gastrointestinaltrakt eine zentrale Bedeutung bei der Prävention der Vibriose spielt.

Klinische Anzeichen für eine Vibriose

Am häufigsten beginnt die Erkrankung mit äußerlichen Veränderungen. Wird die Infektion nicht behandelt, kann es zu einer systemischen Infektion kommen, die zu einer erhöhten Mortalität führt. Vibriose beginnt bei Fischen üblicherweise mit einer dermalen Ulzeration gefolgt von systemischen Infektionen und Septikämie. Die Infektion manifestiert sich in Form von Lethargie, Anorexie, abnormen Schwimmverhalten, ulzerativen und hämorrhagischen Hautläsionen, abdominaler Distension, Exophthalmus, Kiemennekrose, Verdunkelung der Haut, bis hin zum Tod.
Bei Krebstieren führt eine systemische Vibriose typischerweise zu Läsionen der Cuticula, trübem Muskelgewebe, Bildung von septischen Knötchen im Lymphorgan, im Herzen, in den Kiemen, im Hepatopankreas, in der Antennendrüse, im Nervenstrang, im Telson und im Muskel sowie zu braunen oder schwarzen Läsionen in der Cuticula, an den Gliedmassen oder Kiemen und zur Schwanznekrose. Betroffene Larven weisen häufig braune Kiemen, einen trüben und/oder septischen Hepatopankreas, charakterisiert durch eine Atrophie des Hepatopankreas mit multifokaler Nekrose und hämozytische Inflammationen, einen Verlust des Epithels des Mitteldarms und viele weitere Manifestationen auf.

Potenzielle Kontroll- und Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit Vibriose

Da Vibrio spp. eine Anhaftung und Vermehrung im Wirt benötigen, sollte eine Kombination aus den folgenden Kontroll- und Präventionsmaßnahmen implementiert werden, um der Entstehung der Erkrankung vorzubeugen:

  • Gutes Wasser- und Fütterungsmanagement,
  • Reduzierung von Stressfaktoren, wie z.B. zu hohe Besatzdichte, ungünstige Temperaturen, ein hoher Wassersalzgehalt und überflüssige Handgriffe bei
  • Maßnahmen zur Größenbestimmung, Impfung etc.,
  • Routinemäßige Überwachung, zur Ermöglichung einer frühzeitigen Diagnose
  • Implementierung von effektiven Biosicherheitsverfahren (insbesondere während der Zucht):
    • Resistenzzüchtung,
    • Neubelegung mit resistenten Tieren,
    • Einbringung von Tieren aus erkrankungsfreien Aufzuchtstationen und/ oder Desinfektion der Eier und Larven.
  • Impfung
  • Antibiotikabehandlungen nur in unvermeidbaren Fällen, um Resistenzen vorzubeugen
  • Stärkung der Darmintegrität und des Immunsystems durch Pro-/Präbiotika und darmgesundheitsstabilisierende Futtermittelzusätze, wie z.B. phytogene Additive. Diese fördern nicht nur das Wachstum, sondern reduzieren auch Stressfaktoren und führen zu einer Verringerung der Vibrio-Anzahl.
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