Der Klimawandel ist in den letzten Jahren zu einem großen Anliegen geworden. Die Umgebungstemperatur ist in den letzten 30 Jahren mit einer durchschnittlichen Rate von 0,18 °C pro Jahrzehnt gestiegen und soll bis 2050 um weitere 0,8 – 2,6 °C ansteigen. Dieser Anstieg hat erhebliche negative Auswirkungen auf die Tierhaltung und Landwirtschaft. Unter den lebensmittelerzeugenden Tieren sind Milchkühe eine der empfindlichsten Tierarten für Hitzestress (HS), da sie eine hohe Stoffwechselwärmeproduktion und eine geringe Körperoberfläche zur Wärmeabgabe haben. HS steht im Zusammenhang mit negativen Auswirkungen auf das Tierwohl und die Produktivität (Abbildung 1).
Sangrovit® ist ein natürlicher Futtermittelzusatz, der aus Macleaya cordata gewonnen wird, einer Pflanze aus der Familie der Papaveraceae. Die in Sangrovit® enthaltenen Wirkstoffe sind Isochinolin-Alkaloide (IQs). Diese Alkaloide, deren Wirkungsweise auf das Verdauungssystem nachgewiesen ist, fördern die Futteraufnahme und unterstützen die Verdaulichkeit von Nährstoffen. Dadurch stehen mehr Energie und Nährstoffe aus ihrem Futter für die Erhaltung des Wohlbefindens und produktive Prozesse zur Verfügung, was die Produktivität unterstützt und zur allgemeinen Gesundheit der Tiere beiträgt. Darüber hinaus haben Studien an Wiederkäuern und anderen Tierarten gezeigt, dass unter Hitzestress-Bedingungen die negativen Auswirkungen erhöhter Temperaturen und Luftfeuchtigkeit durch die Zugabe von Sangrovit® vermindert werden.
Eine in 30 Milchviehbetrieben in Frankreich durchgeführte Studie zielte darauf ab, die Auswirkungen von Sangrovit® auf die Leistung laktierender Milchkühe zu bewerten. Insgesamt wurden 1226 Milchkühe in die Studie einbezogen, wobei die Laktationszahl, die Milchproduktion und die somatischen Zellzahlen (SCC) der vorherigen Laktation berücksichtigt wurden. Ungefähr 21 Tage vor dem erwarteten Kalbedatum wurden die Trockensteher zufällig zwei Behandlungen zugewiesen. Kühe in der Kontrollgruppe (n=613) erhielten die Basisration, während Kühe in der Testgruppe Sangrovit® (n=613) während der Übergangsphase bis zur mittleren Laktation erhielten.
Insgesamt produzierten die Kühe in der Sangrovit®-Gruppe (SAN) mehr Milch (1,72 L) als die Kontrollkühe (CON). Darüber hinaus wurde eine Analyse unter Berücksichtigung der Jahreszeit durchgeführt. Die kalte Jahreszeit wurde vom 23. September bis zum 19. März definiert, während die heiße Jahreszeit den Zeitraum vom 20. März bis zum 22. September umfasste. Die Analyse nach Jahreszeit ergab, dass, obwohl die Milchleistung in beiden Jahreszeiten bei Kühen, die Sangrovit® erhielten, verbessert wurde, eine bessere Milchleistung bei Kühen beobachtet wurde, deren Futter während der heißen Jahreszeit mit Sangrovit® ergänzt wurde (Abbildung 2). Im Durchschnitt war die somatische Zellzahl (SCC) bei Kühen, die Sangrovit® erhielten, niedriger als bei Kühen in der Kontrollgruppe (133,0 x 10^3 vs. 254,8 x 10^3).
Darüber hinaus wurde der Anteil der Kühe mit SCC > 200.000 (ein Hinweis auf subklinische Mastitis) in beiden Jahreszeiten bewertet. Während in beiden Jahreszeiten eine Reduzierung des Anteils von Kühen mit SCC > 200.000 bei den mit Sangrovit® behandelten Kühen im Vergleich zu den Kontrollkühen beobachtet wurde, war die größte Reduzierung in den Frühlings- und Sommermonaten zu verzeichnen (Abbildung 3; Reduzierung in der kalten Jahreszeit = 34,97 %; Reduzierung in der heißen Jahreszeit = 48,03 %).
Das Futter während dem Hitzestress mit Sangrovit® zu ergänzen, wenn der Rückgang der Milchleistung stärker ausgeprägt und die somatische Zellzahl höher ist, kann als eine wirksame Strategie angesehen werden, um die Milchproduktion zu unterstützen und die Gesundheit des Euters zu erhalten.
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